Der Umgang und die Handhabung von digitalen Geräten bei Prüfungsarbeiten sind am Helmholtz-Gymnasium klar geregelt: Mitgebrachte Geräte sind auszuschalten und für die gesamte Dauer von Klassenarbeiten und Klausuren außerhalb des Arbeitsplatzes aufzubewahren und nicht am Körper zu tragen. Trotz der klaren Regeln und der konsequenten Anwendung von Maßnahmen, die das Schulgesetz ermöglicht, ist die Zahl der Täuschungsversuche, die von Schülerinnen und Schülern unterschiedlichen Alters begangen werden, enorm. Einerseits werden Smartphones unter Wahrung eines Scheins der Aufrichtigkeit vor Prüfungsbeginn abgegeben, andererseits werden mitunter (Zweit-) Geräte unbemerkt während der Klausur benutzt, die zuvor unter Tischflächen befestigt, in Strümpfe gesteckt oder auf der Toilette deponiert wurden.
Die Verlockung, auf unerlaubte Hilfsmittel zurückzugreifen, hat im Zeitalter künstlicher Intelligenz, in dem sich nicht nur Recherchen, sondern ganze Ausarbeitungen von Aufgabenlösungen in kürzester Zeit generieren lassen, deutlich zugenommen. Zu viele Schülerinnen und Schüler erliegen der Versuchung, einen Betrug zu begehen und nicht durch die eigene Denkleistung, sondern durch fremde, künstliche Hilfe eine gute Bewertung zu erreichen.
Immer kleinere und leistungsfähigere Endgeräte (wie Smartphones, Smartwatches, Datenbrillen, Ohrstecken und dergleichen mehr) vereinfachen für Schülerinnen und Schülern den Versuch einer Täuschung bei Klausuren und gefährden gleichzeitig die Legitimation und Validität der Leistungsbewertung. Aufgrund der Aktualität und des bestehenden Handlungsbedarfs hat sich die Schulkonferenz des Helmholtz-Gymnasiums mit der Problematik beschäftigt und den Weg für betrugsfreiere und gerechtere Prüfungen durch technische Unterstützung ermöglicht. Grundsätzlich ist es demnach der Schule gestattet, die Einhaltung der bekannten Regeln zum Umgang mit internetfähigen, digitalen Endgeräten, mit Detektoren zu überprüfen.
Betrug bei Prüfungsarbeiten durch die illegale Nutzung von digitalen Endgeräten soll in der Schule nicht durch mangelnde Sorgfalt und Machtlosigkeit gegenüber moderner Technik bei der Aufsichtsführung ermöglicht werden. Daher hat sich das Medienteam des Helmholtz-Gymnasiums auf die Suche nach technischen Geräten gemacht, mit denen die Lehrkräfte feststellen können, ob sich in einem Prüfungsraum eingeschaltete Endgeräte befinden, die Funkstrahlen senden oder empfangen und folglich auf das Internet zurückgreifen. Die Testgruppe besteht aus Schülerinnen und Schülern des Mathematik-Leistungskurses, die gemeinsam mit Experten aus der Elektronik-Branche die Zuverlässigkeit von Low-Cost und High-End-Geräten zur Detektion von Funkstrahlung untersuchten.
In der Aula des Helmholtz-Gymnasiums, dem Hauptaustragungsort von schriftlichen Prüfungsarbeiten, stellte heute ein Vertriebsingenieur der Firma EFE – Elektronik-Forschungsentwicklungsgesellschaft mbH eine Messelektronik mit Software für die Überwachung von datensensiblen Bereichen vor, wie sie etwa in Justizvollzugsanstalten eingesetzt wird. Nach einem Briefing gemeinsam mit dem Kurslehrer, Herrn Eggers, und der Schulleitung konnten die Schülerinnen und Schüler ihre mitgebrachten privaten Smartphones und die entliehenen Tablets in verschiedenen Einschaltmodi an unterschiedlichen Orten aufbewahren. Anschließend wurde versucht, die Geräte mit Hilfe der Technik aufzuspüren.
Als Fazit der Produkttestung lässt sich festhalten, dass die Geräte durchaus zuverlässig Funkstrahlung messen und anzeigen können. Allerdings ist die gewöhnliche Hintergrundstrahlung in der Schule immens und deutlich größer als zunächst erwartet, was eine präzise Ortung einzelner Geräte erschwert. So war es im Rahmen der Testung nicht möglich, individuelle Smartphones oder Tablets an einem bestimmten Ort im Raum zu lokalisieren. Dennoch konnte die Messtechnik zuverlässig anzeigen, ob sich in der Aula aktive, Funkstrahlung sendende Geräte befanden oder nicht – ein Ergebnis, das für den schulischen Einsatz im Prüfungskontext durchaus relevant ist.
Damit liefert die Testung ein differenziertes Bild: Die Technologie ist kein Allheilmittel und ersetzt nicht die wachsame Aufsicht durch Lehrkräfte, bietet jedoch eine wertvolle zusätzliche Erkenntnisebene: Ob sich im Prüfungsraum aktive Endgeräte befinden, lässt sich mit der getesteten Technik verlässlich feststellen – und allein das kann eine abschreckende Wirkung auf potenzielle Täuschungsversuche haben.
Das Helmholtz-Gymnasium und die Firma EFE – Elektronik-Forschungsentwicklungsgesellschaft mbH haben vereinbart, die Zusammenarbeit fortzusetzen und weitere Tests unter realen Prüfungsbedingungen vor Ort durchzuführen. Auf Grundlage dieser Ergebnisse wird die Schule dann entscheiden, ob und in welcher Form die Technologie künftig dauerhaft im Prüfungsbetrieb eingesetzt werden soll. Das Medienteam und die Schulleitung des Helmholtz-Gymnasiums bleiben damit ihrer Linie treu: technische Innovationen sorgfältig zu prüfen, bevor sie verbindlich in den Schulalltag integriert werden.