Riding the Bull – Schreibwerstatt des Literaturhauses und des Theaters Dortmund mit dem Helmholtz-Gymnasium

Wo ist Europa? Wo sind seine Wurzeln? Was bedeutet Europa heutzutage für uns? Sicherheit? Wohlstand? Ein Zufluchtsort? Und wo ist mein Platz auf diesem Kontinent?

Diese und andere Fragen stellten sich im vergangenen halben Jahr Schülerinnen und Schüler des Helmholtz-Gymnasiums und der Anne-Frank-Gesamtschule in dem Projekt des Theater Dortmunds „Riding the Bull“. Europa stand dabei im Zentrum der Arbeit der von dem Kölner Schriftsteller Selim Özdogan (u.a. DZ, Heimstraße 52) geleiteten Schreibwerkstatt. Jedoch wurde sich nicht nur mit Europa und seiner Rolle in der Welt beschäftigt, sondern es wurden auch Fragen an die eigene Herkunft gestellt oder Texte zum Klimawandel verfasst.

Geblieben von diesem halben Jahr ist ein Buch, in dem ausgewählte Texte aller Schreibwerkstätten, von Holzwickede bis Gelsenkirchen, erschienen sind. Geblieben ist aber auch die Erfahrung, wie aus einer Diskussion, einer Beschäftigung mit einem Thema, eine Idee und daraus folgend ein eigenes Werk entstehen kann.

Ausgewählte Texte wurden am 15.11.2019 im Kinder- und Jugendtheater Dortmund von den jungen Autoren und Autorinnen auf großer Bühne und prominenten Gästen wie der Dortmunder Bürgermeisterin Birgit Jörder vorgetragen. (SE)

„Sie sollen alle sterben“. Dieser Satz ging Saya jeden Tag durch den Kopf. Sie wurde in der Schule gemobbt. Drei Mädchen, die sie nicht mochten, machten ihr das Leben schwer. Erstmal war es harmlos, doch mit der Zeit ist es ausgeartet. Man hat Saya Kleber auf den Stuhl gekippt oder ihre Sachen gestohlen. Doch Saya blieb ruhig, egal was sie machten. Trauer empfand sie keine. Das einzige was sie empfand war Wut. Die staute sich in ihr auf und wurde jeden Tag größer. Ihr größter Wunsch war Rache und zwar an denjenigen, die sie peinigten. Eines Nachts besuchte ein Dämon Saya in ihrem Zimmer. Er bezirzte sie indem er ihr vorschlug ihren Wunsch zu erfüllen. Im Gegenzug möchte er ihre Seele, dadurch würde sie gleichzeitig ihre Menschlichkeit verlieren und selber zum Dämon werden. Geblendet vor Wut willigte sie ein. Der Handel wurde mit einem Vertrag geschlossen. Sie unterschrieb mit ihrem Blut. Am nächsten Tag in der Schule wurde den Schülern mitgeteilt, dass alle Mädchen an Herzversagen gestorben seien. Sayas Wut war verflogen. Sie schmunzelte. Sie hat ihre innere Ruhe gefunden, doch der Preis dafür war hoch. Sie wandelt jetzt mit Hörnern und Flügeln durch die Hölle auf der Suche nach Menschen, denen sie helfen kann.

Mein Europa ist mein Kleiderschrank. Stell ihn dir vor, wie die Vielfalt der gesamten Welt. Du siehst lauter bunter Farben, sehr viele verschiedene Formen sowie auch Größen.

Jetzt stell dir alle Gefühle vor, die ein Mensch besitzt. Hast du Angst, bist du fröhlich, mein Kleiderschrank bietet die jedes kleiderstück worauf du gerade Lust hast.

Die Größe meines Kleiderschrankes? Sagen wir es mal so wenn du unten nichts findest, geh die erste Rolltreppe hoch. Manchmal wird mir während dessen durstig, kein Problem es gibt ja immerhin ein paar Imbissstände in ihm, dort gibt es ja auch etwas zu trinken. Wenn du dann oben bist, lass dich von Frau Schnürsenkel beraten, sie erstellt meiner Meinung nach die besten Outfits, bloß im Thema Schuhe ist sie nicht gerade die erfahrenste. Gerade weil sie Frau Schnürsenkel heißt, solltest du nicht zu viel von ihr erwarten sie trägt selber nie Schuhe sondern nur Socken. Wenn du die zweite Rolltreppe hoch gehst, findest du ein Schuhparadies. Natürlich nach Farben sortiert, wie der Regenbogen, nur hier von links nach rechts. Ganz links rot, orange, gelb, grün, blau, lila und pink, schwarz, weiß und grau dürfen natürlich auch nicht fehlen. Die Schuhe sind auch nach Form und Art sortiert zum Beispiel nach High Heels oder Ballerina oder auch Sportschuhen. In DeutschlandIst es zwar im Sommer heiß , den Winter aber sollte man nie unterschätzen. Deswegen kannst du gerne noch eine Rolltreppe hoch gehen, dort findest du alle möglichen Jacken. Nicht mein liebster Teil aber trotzdem darf er nicht fehlen. Wenn du jetzt noch die letzte Rolltreppe hoch gehst findest du dort Accessoires wie Hüte, Brillen  oder Ketten. Der Teil in dem ich immer rumalbere . 

Jetzt wünsche ich dir viel Spaß die Rolltreppen wieder runter zu gehen 😉 

Gestern habe ich Europa auf der Straße gesehen. Es sah wirklich groß aus und sah mittlerweile wie ein Erwachsener aus. Es trug ein aufgesetztes Lächeln. Man sah, dass es ihm nicht gut geht, doch es will es nicht zu geben. In der rechten Hand hatte es ein Portemonnaie gehalten, welches so prall gefüllt war, dass es zu platzen drohte. In der linken Hand war sein Handy, jede Minute klingelte es. Frankreich und Tradition hatten wohl viel mit Europa zu bereden; es ging wohl um Gemeinschaft, von dem was ich mitbekommen habe. Nach einem langen Telefonat unterhielten ich, die Kultur und Europa uns eine Weile.

Mit der Zeit bekamen wir Hunger und wir gingen in das riesige Restaurant “Ozeanisches Meer” und aßen dort etwas. In dem Restaurant hat Europa sehr stark geschwitzt, was zu erwarten war, denn es hatte nämlich bei 32° Grad Celsius Raumtemperatur immer noch einen Mantel an und zog diesen auch vorerst nicht aus. Als der Kellner kam und gefragt hat, was wir bestellen möchten, hat Europa, ohne auf die Karte zu gucken, alles bestellt. Den Kellner überraschte dies und er wies darauf hin, dass es unmöglich sei, alles zu essen. Es sei zu viel für Europa. Doch Europa nahm seine Bestellung nicht zurück. Mir hat das Sorgen bereitet, da ich gesehen habe, dass der Koch, China, überfordert war und man ihm angesehen hat, dass es schon lange pausenlos gearbeitet hat. Zudem habe ich vor dem Laden gesehen, wie Politik das Essen aus den Mülltonnen suchte. Als das Essen auf dem Tisch serviert wurde, hat Europa erstmal gemeckert, warum das Essen so spät erst serviert wurde. Doch für mich war das normal, wenn man betrachtet, wie viel wir bestellt hatten. Doch wo das Essen jetzt da war, aßen wir. Ich habe meinen Teller aufgegessen, doch Europa hat nicht einmal die Hälfte geschafft. Es ist nicht satt geworden, doch aß trotzdem nicht weiter. Während des Essens zog Europa seinen Mantel doch aus. Ihm ist wohl zu warm gewesen. Als er seinen Mantel auszog, habe ich gesehen, wie dick Europa geworden ist. Als ich ihn darauf ansprechen wollte, klingelte sein Handy. Zudem stritt es sich noch mit dem Kellner, den es genervt hat, dass Europa nicht auf die Warnung von ihm gehört hatte und trotzdem so viel Essen übriggelassen hatte. Und da sich Europa mit anderen mehr beschäftigt hat als mit mir, bin ich gegangen.

Den Tag darauf habe ich ihn auf der Straße gesehen. Wir entschuldigten uns für den gestrigen Tag, es hätte anders laufen sollen. In dem Moment habe ich das immer noch prall gefüllte Portemonnaie gesehen. Ich habe es gefragt, wie das sein kann, nach dem was er gestern bestellt hatte. Es lächelte und sagte, dass es das Essen auf die Rechnung der Umwelt und Amerika hatte schreiben lassen.

Mein Europa ist traurig. Er fühlt sich vernachlässigt und ausgenutzt, weil er die Liebe, die er gibt, nicht zurückbekommt. Er macht Vereinbarungen mit Menschen aus, aber diese halten sich nicht an ihre Versprechen. Er bietet den Menschen Platz zum Leben. Die einzigen Bedingungen waren, dass die Menschen sich um die Sauberkeit dieses Platzes kümmern sollen und sowohl für ein gutes Miteinander mit den Mitmenschen als auch mit den Tieren sorgen sollen. Jedoch halten sich die Menschen nicht an diese Bedingungen, obwohl sie versprochen hatten, sich an diese zu halten. Die Menschen verdrecken den gesamten Platz und behandeln sowohl ihre Mitmenschen als auch die Tiere sehr schlecht. Dies macht Europa sehr traurig.

Europa besitzt sehr viel Geld, er ist sehr wohlhabend. Jedoch weiß er noch nicht ganz, wie der richtige Umgang mit Geld aussieht. Er investiert sehr viel Geld in kaum nützliche, oftmals sinnlose Dinge. Er könnte sein Geld in viele nützliche Dinge investieren, anstatt dieses Geld zu verschwenden. Er weiß den Wert des Geldes nicht zu schätzen, da Geld für Europa praktisch an Bäumen wächst.

Europas Liebesleben verläuft momentan auch schlecht. Er war vor kurzem noch in einer sehr engen Beziehung, die sich über einen langen Zeitraum erstreckt hat. Seine ehemalige Lebenspartnerin heißt England. Sie waren unzertrennlich, dachten viele. Mit der Zeit verschlechterte sich jedoch ihr Umgang miteinander und es kam oftmals zu Auseinandersetzungen. Es bildeten sich viele Komplikationen zwischen den beiden, dies war auch der Grund dafür, dass sich ein riesiger Spalt in der Beziehung der Beiden entwickelte und sich die Wege von Europa und England schließlich trennten. Die Trennung fiel den beiden sehr schwer und es hat viel Zeit in Anspruch genommen, bis die Beiden ihre Trennung offiziell machten.